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Ich möchte Wissenschaft westlicher Prägung keinesfalls verteufeln. Sie leistet in den verschiedenen Fachgebieten für mich das, was wohl auch eine ihrer Aufgaben ist: Sie bringt Klärung in Sachverhalte und Erscheinungen, beobachtet und reduziert komplexe Phänomene auf wenige Parameter und erlaubt es - im Rahmen ihrer Grundannahmen - modellhafte Vorhersagen der Zukunft zu erstellen. Sie ist jedoch vielleicht nur ein Übergangsstadium zu einer neuen Weltbetrachtung.

Ein schwieriges Thema

Ich selbst folge in meinen technischen Aktivitäten über weite Strecken den Ergebnissen der Wissenschaft. Die eine gewichtige Bedeutung hat und auch hilfreich ist, so lange ich mir bewusst bin, dass auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Betrachtung nur unter den Voraussetzungen gelten, die im Wissenschaftssystem [1] gelten.

Zu einer der wesentlichen Voraussetzungen zählt u. a. noch immer: alles was (wirklich) ist, kann gemessen und durch Werte, Mengen und Zahlen dargestellt werden oder anders formuliert: alles was geschieht, hat eine wirkende Ursache im Sinne von Aristoteles*.

Warum diese Fragen jetzt?

Wie ich dazu gekommen bin, mir diese Tatsachen - wieder einmal - vor Augen zu führen?

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit den Gefahrengrenzen für den Menschen in Zeiten der Erhöhung der Feuchtkugeltemperatur in einigen Regionen unseres Planeten [2].

Beim Studium eines Teiles der fast schon unüberschaubaren wissenschaftlichen Literatur fand ich mich bei der Frage wieder, ob es ausreicht, die Phänomene, die wir heute z. B. unter dem Begriff Beeinflussung des Klimawandels zusammenfassen, unter rein wissenschaftlichen, das heißt derzeit messbaren Voraussetzungen zu untersuchen.

Ich stellte mir die Frage, ob meine Großeltern, die in einem kleinen österreichischen Dorf eine Landwirtschaft betrieben und keine Ahnung von den wissenschaftlichen Grundlagen sogenannter „moderner Landwirtschaft“ und deren „messbaren“ Erfolgen hatten, nicht wesentlich größere Beiträge zur langfristigen Erhaltung unseres Planeten geleistet haben als ich, als Konsument in einer „modernen Welt“ mit allen „modernen“ Erkenntnissen und Möglichkeiten.

Sie hatten Erfahrungen aus Jahrzehnten, eigene aber auch solche, aus den Gesprächen mit anderen Dorfbewohnern, mit denen sie gemeinsam die Felder bestellten, die sie nutzen konnten. Gemeinsam heißt hier: nicht als bezahlte Dienstleistung, sondern als gegenseitige Hilfe, als "Hinarbeiten und Zurückarbeiten", wie sie es immer - völlig selbstverständlich - genannt haben. Nicht nur genannt, sondern auch immer wieder getan!

Diese Erfahrungen waren davon erfüllt, ein für den Menschen (über-)lebenswertes, schönes Leben (der Begriff "schönes Leben" war jedoch weit fernab vom Begriff "Nichts Tun") in einer lebenswerten Landschaft zu schaffen und zu erhalten; auch morgen und übermorgen sollte der Ackerboden noch das Gemüse für die tägliche Ernährung und die Nahrung für die Tiere liefern. Ohne Bodengutachten, ohne Internetrecherche, viele Jahre ohne Fernseher und Telefon.

Wirklich rückständig?

Diese Erfahrungen und damit auch jene aller übrigen Menschen, die im notwendigen, man kann sagen im liebevollen Einklang mit der Natur lebten, werden heute zunehmend durch wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzt (ausgedrückt z.B. in modernem Saatgut, entsprechenden Düngemitteln und Bewirtschaftungsmethoden), bei gleichzeitiger Diskriminierung der früheren Verfahren als rückständig, nicht mehr anwendbar, nicht den heutigen Anforderungen genügend usw.

Die dabei entstehenden Eingriffe in die Natur wie Verlust von Waldboden durch Rodung, Monokultur, Erosion von Mutterboden, Bodenverdichtung durch schwere landwirtschaftliche Maschinen usw. wurden und werden zunächst ausgeblendet. Später vielleicht, von einem anderen Fachbereich des Wissenschaftssystems, versucht zu quantifizieren.

Aus dem Blickwinkel des Erhalts der Natur könnte man diese Eingriffe jedoch als ebenso rückständig, nicht mehr anwendbar usw. bezeichnen. Hier führte der vermeintliche, auf wissenschaftlichen Methoden basierende „Fortschritt“ zu einer teilweise zerstörten Landschaft. Zu deren "Reparatur" wir nun wieder mittels "wissenschaftlicher Methoden" aufbrechen (müssen).

Kann das eine sinnvolle Vorgangsweise sein? Ist eine „wissenschaftliche Basis“ alleine schon der Garant für: Ja, genau so sollten wir es machen? Hat uns hier unsere Wissenschaft bzw. unsere Interpretation ihrer Ergebnisse uns nicht in eine selbstzerstörerische Endlosschleife befördert?

Ich möchte es nochmals klar hervorheben: Es geht mir keinesfalls darum, das Wissenschaftssystem zu verdammen und ihre bisherigen Ergebnisse klein zu schreiben. Ich frage mich nur, und das tun auch andere [3] schon viel länger, ob es nicht dringen Zeit ist, den oft zitierten „Schritt zurückzutreten“ und dieses System und die Anwendung dessen Ergebnisse genauer anzusehen und als das zu begreifen, was sie sind: Teilmodelle einer Wirklichkeit, Landkarten, die jedoch nicht zwingend mit dem Gebiet übereinstimmen, das sie vorgeben vollständig beschreiben zu können.

Ich frage mich: Wo bleiben alle Verhaltensweisen von Menschen, von Tieren, von Pflanzen usw., die sich wissenschaftlicher Analyse entziehen (und mit großer Wahrscheinlichkeit immer entziehen werden)? Sind diese, obwohl unser menschliches Leben mit allen anderen Wesen dieses Planeten untrennbar verbunden sind, unwesentlich? Können wir sie ignorieren, nur, weil wir noch kein „Modell“ für ihre Beeinflussung haben? Oder weil wir sie noch nicht verstehen? Müssen wir in alles Leben auf diesem Planeten eingreifen? Den Planeten „gestalten“? Können wir die natürliche Welt, vor allem jenen Teil, den wir aus der Sicht der Wissenschaft nicht beschreiben können, also den nicht-quantifizierbaren, nicht einfach liebevoll betrachten und einfach „sein lassen“? Können wir nicht aufhören die Natur, abgegrenzt von den Menschen, als „Ressourcen“ zu sehen?

Ein Gedankenexperiment

Nochmals ganz klar! Ich bin natürlich nicht dagegen, alles (aus der Sicht der Natur, deren Teil auch wir Menschen als Primaten sind) vertretbare zu tun, um CO2 Emissionen und den Anstieg der Temperatur auf unserem Planeten dramatisch zu begrenzen.

Jedoch überlege ich folgendes:

Die Identifikation der Parameter CO2 Emission und Temperaturerhöhung als mit aller Kraft zu bekämpfendes Feindbild reicht nicht aus. Die Begrenzung der beiden Parameter können keinesfalls das Ziel aller unserer Anstrengungen sein, da es durchaus sein kann, dass der CO2 Gehalt der Atmosphäre und die steigende Temperatur nicht Ursache, sondern Symptome unseres planetaren Problems sind.

Es kann auch sein, dass die vom Menschen betriebene systematische Beeinflussung (besser: Zerstörung) der Natur unseres Planeten den CO2 Anstieg in der Atmosphäre und die Temperaturerhöhung bewirkt!

Eine strikte Fokussierung nur auf diese beiden Parameter kann zur Annahme verleiten, dass, wenn die CO2 Emission Null ist und die Temperaturerhöhung auch Null ist, wir unser Leben wie bisher weiterführen können.

Gehen wir versuchsweise von der Annahme aus, dass es eine technische Möglichkeit gibt, diese Ziele zu 100% zu erreichen, aber auf unserem Planeten keine Bäume, keine Süßwasserseen, keine Fische, keine Insekten, keine Tiere leben - ist es das, was wir uns wirklich wünschen?

Wir hätten die Klimaziele erreicht - nur auf dem Weg dahin alles andere, was unseren Planeten, unser gemeinsames Leben in der Natur ausmacht, verloren.

Alleine diese kleinen, unvollständigen Überlegungen zeigen mir, dass die alleinige Fokussierung auf einige wenige ausgesuchte Zielparameter, nicht zu einem schönen Leben auf unserem Planeten führen.

 

*causa effiziens, lateinischer Begriff für: Wirkursache. Die moderne Quantentheorie beginnt, diese Voraussetzung in Frage zu stellen.

Quellen und Literaturhinweise

[1] ... Luhmann, Niklas; Die Wissenschaft der Gesellschaft; Suhrkamp Verlag; 1992

[2] … Mörx, Alfred; Temperatur und Feuchte - Gefahrengrenzen für den menschlichen Körper

[3] … Eisenstein, Charles; Klima; Europa Verlag GmbH & Co KG., April 2021, ISBN 978-3-95890-368-5

 

Autor: Alfred Mörx; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. 

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Bildquelle: Bild von Gerald Altmann über Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

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